Chronik

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Im Saale des Herrn Math. Hüpperling fanden sich am 28. Mai 1899 Schelsener Männer ein, den St. Josef Schützenverein zu gründen. Ziel war es, diesen Verein in eine Bruderschaft umzuformen, sobald Schelsen eine eigene Kirche erhielte.

Erster Vorstand des St. Josef Schützenvereins:

Präsident:

Hubert Eickler

Vize-Präsident:

Mathias Bähren

1. Schriftführer:

Karl Meurers

2. Schriftführer:

Christian Schunk

1. Kassenführer:

Johann Esser

2. Kassenführer:

Jakob Faßbender

   

Beisitzer:

Josef Rath

 

Heinrich Esser

 

Theodor Meurers

 

Peter Leukens

 

Heinrich Brender

   

Vereinsbote:

Theodor Lenders

Somit war der Grundstein zu einer kirchlichen Selbstständigkeit Schelsens gelegt worden, wie sich später zeigte.

Im Juli 1899 wurde als Ehrenvorsitzender Herr Körschgen (Bürgermeister) einstimmig gewählt. Auch wurde die Höhe des zustehenden Kleidergeldes festgelegt, es betrug 50 Pfennig. Die Festsetzung der Altersgrenze wegen der Verpflichtung zur Beteiligung am Schützenzuge war wie folgt beschlossen worden: Es wurde bestimmt, daß bis zum 45. Lebensjahr alle Mitglieder ohne Ausnahme ihre Beteiligung am Schützenzuge zusagen. Im Protokoll vom November 1900 ist nachzulesen, daß der monatliche Beitrag 10 Pfennig betrug.

"Während der Kirmesfestlichkeiten zahlen Mitglieder welche den Zug mitmachen 2 Mark. Mitglieder die den Zug nicht mitmachen 3 Mark. Nichtmitglieder welche den Zug mitmachen 3 Mark." (Original Text) - Auch wurde die schon oben erwähnte Altersgrenze von 45 Jahren auf 50 erhöht. Bei dieser Generalversammlung war auch erstmals der Schützenzug genannt worden.

General:

Werner Dürselen sen.

 

Peter Nilgen

Adjudant:

Johann Hoffmann, Werner Netzer

Major:

Karl Delvos

Hauptmann:

Mathias Becker

Premierleutnant:

Werner Birnbaum

1. Jägerzug Wilhelm Nilgen
2. Jägerzug Albert Gronen
3. Grenadierzug Johann Schiffer
4. MGV "Liederbund" Heinrich Reinartz
5. Bürgerzug Heinrich Heister

Der Turnerzug Karl Esser durfte nur mit 12 Mann auftreten und hatte sich der Ordnung des St. Josef Schützenvereins zu fügen.

Tambourmajor:

Heinrich Brender

Feldwebel:

Anton Wilms

Die regelmäßigen Versammlungen fanden schon damals in den ortsansässigen Gaststätten statt. Es waren Mathias Hüpperling (folgend: Mathias Nobis; heute: Am Düvel), Gaststätte Schillings und Gaststätte Ohligs sowie die Gaststätte Stephanie (danach folgend: Stromenger).

Im Juli des Jahres 1924 machte der 1. Vorsitzende Christian Schunk darauf aufmerksam, daß das 25-jährige Bestehen gefeiert werden müßte. Ein Festkomitee bestehend aus acht Herren wurde gebildet, welches in allen Teilen mit dem Vorstand zusammen arbeitete, damit Jubel- und Schützenfest in jeder Beziehung großzügig veranstaltet und einen würdigen Verlauf nehmen konnten.

Am 10. Januar 1925 bei der jährlichen Generalversammlung bei Schillings war es endlich soweit. Der langgehegte Wunsch, daß aus Anlaß des Baues der Pfarrkirche aus dem Schützenverein eine katholische Bruderschaft werden sollte, ging in Erfüllung. Einstimmig wurde beschlossen, daß die Bruderschaft folgenden Namen erhält: "St. Josef Bruderschaft zu Schelsen". Auch wurde hier der Grundstein zur Einführung der Sterbekasse gelegt. Außerdem wurde beschlossen, eine würdige Bruderschaftsfahne anzuschaffen. Als erstes Vereinslokal wurde das Hotel Schillings gewählt.

Während des 1. Weltkrieges (1914-1918) und 1919 gab es keinen Schützenzug. Auch 1923, als die Franzosen das Ruhrgebiet besetzten, zog kein Schützenzug, weil die Besatzungsmacht es untersagte.

Nach der Erhebung Schelsens zu einem Pfarr-Rektorat und Errichtung der Notkirche (heute Pfarrsaal) wurde im Januar 1925 von den 150 Mitgliedern folgende Satzung beschlossen:

Pflege der angestammten christlichen Lebensart,

Verschönerung der christlichen Feste,

Ordnungsdienst inner- und außerhalb der Kirche,

gemeinschaftliche Kommunion am Ostermontag,

Mitgestaltung der weltlichen Feste,

Verpflichtung und Einsatz der Mitglieder für Ordnung und gute Sitte,

Weiterbildung der Mitglieder durch Vorträge im Winter,

der Ortsgeistliche ist Ehrenvorsitzender mit Stimmrecht

 

in den Vorstandsitzungen und Generalversammlungen,

Kirchliche Verantstaltungen bedürfen seiner Zustimmung.

Am 21. Juni 1928 weihte Pfarr-Rektor Heinrich Freilingsdorf vor dem Hochamt feierlich die Fahne der Bruderschaft.

Die Nationalsozialisten bildeten die kirchliche Bruderschaft in eine weltliche Schützengilde um. Von 1939 bis 1947 ruhte das Leben dieser Schützengilde. In den düsteren Jahren unserer Geschichte versteckte das Vorstandsmitglied Paul Hönemann das Königssilber im Kamin seines Hauses, um es dem Zugriff durch die Behörden zu entziehen.

Unter Pfarr-Rektor Johannes Vohn lebte die St. Josef-Schützenbruderschaft im Jahre 1948 in ihrer früheren kirchlichen Gestalt wieder auf. Präses und Vorstand fassten den Beschluß, noch im selben Jahr die alte Schelsener Kirmes zu neuem Leben zu erwecken.

Da die Besatzungsmächte den Deutschen damals den Schußwaffenbesitz nicht erlaubte, fiel der Königsvogelschuß aus. Doch die Schelsener Schützenbrüder wußten sich zu helfen. Mit Kreide malten sie kurzerhand einen Vogel auf eine Tafel und die Königsanwärter versuchten mit verbundenen Augen ihn auszuwischen. So errang Hermann Lenders als erster die Königswürde nach dem 2. Weltkrieg. Nun erhob sich die Frage: Woher nehmen wir ein Zelt? Aber auch hier fanden die schlauen Schelsener eine Lösung: Ihr junger General Michael Beuser, von Beruf Sattler- und Polstermeister, erhielt den Auftrag, mehrere Wagenplanen der Bauern zu einem großen Zeltdach zusammenzunähen, und bald stand das Festzelt. Der Silo des Landwirtes Albert Schillings diente als Podium für die Dorfmusikanten. Dünnbier und selbstgebrannter Schnaps hoben bald die Stimmung der Schützenbrüder, und so begann aufs neue die Schelsener Kirmes.

Am 21. August 1949, zum 50. Volks- und Schützenfest, wurde Peter Delvos zum Schützenkönig proklamiert. Er war erstmalig Schützenkönig im Jahre 1901 und zählte zu den Mitbegründern der Bruderschaft. Alle noch lebenden Könige waren zum Jubelfeste geladen worden. Fünf Gründungsmitglieder, neben dem Jungkönig, konnten das 50. Bestehen der Bruderschaft miterleben.

Seit dem Jahre 1951 stellte die Kolpingsfamilie Schelsen einen Jungkönig. Diese Würde übernahm die Bruderschaft im Jahre 1976 von der Kolpingsfamilie.

Am 23. Februar 1951 wurde einstimmig der Beitritt in den Zentralverband der Historischen deutschen Schützenbruderschaft beschlossen.
Am 18. September 1951 trat man nach einstimmigen Beschluß der Erzbruderschaft als St. Josef Schützenbruderschaft bei.

Bei der Generalversammlung im März 1952 wurde beschlossen, den Schießsport zu betreiben. Ein Wanderpokal sollte unter den aktiven Zügen ausgeschossen werden. Hierzu schaffte die Bruderschaft zwei Luftgewehre an.

Auf der Generalversammlung am 12. Oktober 1952 entschloß man sich, das Schützenfest auf den ersten Sonntag im August vorzulegen. Das Zelt wurde in der Nähe der Kirche aufgebaut. Davor befand sich auch schon zur damaligen Zeit ein kleiner Rummel. Es stand geschrieben: "Alles in allem war es ein Volksfest wie es Schelsen noch nicht erlebt hatte."

Bei der Generalversammlung am 18. August 1957 dankte Präses Josef Schaaf den Bruderschaftsmitgliedern, die zahlreich bei den Arbeiten am neuen Kindergarten mitgeholfen hatten.

Nach dem Schützenfest und den Feierlichkeiten zum 60jährigen Bestehen trat der Vorstand geschlossen zurück und Hermann Lenders wurde zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Dem bis dahin amtierenden Vorsitzenden Heinrich Hütten wurde zum Dank für seine drei Jahrzehnte Vorstandsarbeit, davon dreizehn Jahre als 1. Vorsitzender, der Ehrenvorsitz zugesprochen. Für seine großen Verdienste und seine geleistete Arbeit erhielt er am 13. März 1960 die Ehrennadel der Stadt Rheydt.
Bei dem Schützenfest im Jahre 1961 erhielt er den Ehrenorden des heiligen Sebastianus am grün-weißen Bande. Eine Ehrung, die erstmalig im hiesigen Bezirksverband jemandem zuteil wurde.

Weitere Aktivitäten in diesen Jahren waren unter anderem das Kinderfest für die Kleinsten am Kirmesdienstag; Filmabende, auf denen der damalige 1. Schriftführer Heinz Bihn Schmalfilme der letzten Schützenfeste zeigte; Frauenkaffee und Preiskegeln für die Frauen der Bruderschaftsmitglieder.

Regelmäßig wurden mit Abordnungen die Schützenfeste von Giesenkirchen, Geistenbeck, Rheydt und später auch Tackhütte besucht.

Willi Schmitz wurde am 6. September 1964 beim Bezirksschießen in Mönchengladbach neuer Bezirksschützenkönig. Bundesmeister Willi Müller überreichte ihm die Schützenkette und das Diplom. Dies ist bis auf den heutigen Tag einmalig in Schnelsen.

Seit 1967 findet der Königsvogelschuß am Kirmesdienstag im Festzelt statt.

Beim Schützenfest im Jahre 1968 wurde der Bezirkskönig in Schelsen proklamiert. Dieser wurde am Sonntagnachmittag in Steinhausen ermittelt. 17 Bruderschaften mit Gefolge nahmen dann am größten Schelsener Schützenzug teil.

Am 11. März 1969 wurde der erste Spatenstich zum Ehrenmal getan. Dieses konnte aus Spenden finanziert werden und die Inschrift hat folgenden Wortlaut: "Herr gib der Welt den Frieden".
Die Arbeiten gingen so gut voran, daß am 20. März 1969 das Ehrenmal aufgestellt und am 20. April 1969 beim Patronatsfest durch den Präses Pfarrer Vinzenz Al eingeweiht wurde.

Die Krönungsfeierlichkeiten wurden in den 60er und 70er Jahren auf dem Patronatsfest in der heiligen Messe vorgenommen. Danach erfolgte der traditionelle Eiertipp.

Am 28. Oktober 1972 fand der Krönungsball erstmalig im Pfarrsaal statt.

Bei der Jahreshauptversammlung am 15. April 1973 trat der 1. Vorsitzende Hermann Lenders aus gesundheitlichen Gründen nach vierzehn Jahren von seinem Amt zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Willi Hollender gewählt. Hermann Lenders wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Im Jahre 1974 feierte die Bruderschaft ihr 75-jähriges Bestehen.

Auf Kirmessonntag im Jahre 1981 wurde die neue Bruderschaftsfahne von Präses Karl-Heinz Hendker geweiht.

Bei dem Schützenfest erhielt der 1. Vorsitzende Willi Hollender durch den Bezirksbundesmeister, Willi Metzer, für seine 25-jährige Tätigkeit im Vorstand das Schulterband zum St. Sebastianus-Ehrenkreuz.

Im Jahre des 85-jährigen Bestehens der Bruderschaft wurde beim Schützenfest 1984 vom Bundesmeister Wilhelm Metzer, Klaus Pletscher, dem General der Bruderschaft, das St. Sebastianus-Ehrenkreuz verliehen.

Bei der Jahreshauptversammlung im Jahre 1986 wurde per geheimer Abstimmung entschieden, den Kirmessonntag (Klompenball) durchzuziehen und am Nachmittag keinen Umzug mehr zu halten.

Am 30. Juli 1987 verstarb nach langer, schwerer Krankheit der 1. Vorsitzende Willi Hollender. Er war 40 Jahre Mitglied der Bruderschaft und gehörte 30 Jahre dem Vorstand an. Auch der Ehrenvorsitzende Hermann Lenders verstarb am Morgen des Kirmesdienstag im Jahre 1987. Er war 1. Vorsitzender von 1959-1973.

Bei der Jahreshauptversammlung im Januar 1988 trat der komplette Vorstand zurück. Neuer 1. Vorsitzender wurde Lambert Hütten.

Beim Patronatsfest am 4. April 1988 wurde entschieden, den Umzug am Kirmesmontag fallen zu lassen.

Bein Patronatsfest im Jahre 1993 wurde von den Mitgliedern entschieden, den Krönungsball in der Zukunft in einem Festzelt zu veranstalten.
Einen Höhepunkt erlebten die Schützen vor dem Schützenfest, es wurde ein Wappenbaum auf dem Dorfplatz errichtet.

Am Montag morgen zogen zum Klompenball erstmalig die Frauen gemeinsam als Klompenzug in das Festzelt ein.

Beim Schützenfest wurde am Sonntagmorgen der General Klaus Pletscher durch den Bezirksbundesmeister Horst Thoren zum Generalfeldmarschall befördert.
Als General der St. Josef Schützenbruderschaft wurde Heinrich Dürselen erstmals gewählt.

1998 übergab der Generalfeldmarschall Klaus Pletscher das Kommando dem General Heinrich Dürselen. Langanhaltender Applaus aller Schützen war der Dank für den Generalfeldmarschall, der 35 Jahre das Regiment angeführt hatte.

Sage und schreibe DM 7.000,- wurden für die Leukämie-Stiftung "Helft Ute", die von der St. Josef Bruderschaft Geistenbeck ausgerufen wurde, gespendet.

Der St. Josef Schützenbruderschaft gehören im Jubiläumsjahr 299 Mitglieder an und 23 Schützenzüge prägen das aktive Leben.

Jürgen Müller

General Willi Schillings und Oberst Heinrich Hütz

links: General Willi Schillings

rechts: Oberst Heinrich Hütz