Dorfgeschichte

Dorfgeschichte

Schelsen liegt an der alten Heerstraße Neuß - Mülfort, die den Ort in Nider- bzw. Oberfeld teilte. Im Oberfeld, dem heutigen Dycker-Schelsen, wo die geschütze Lage, bessere Bodenqualität und Trinkwasser vorhanden waren, siedelte man sich schon in frühester Zeit an. Aufgrund der geographischen Situation (54 - 58 m über NN) wurden schon damals Windmühlen errichtet, von denen ein Standort - der Mühlenhof - bis in die heutige Zeit erhalten ist. Durch politische und wirtschaftliche Einwirkungen entstanden aus den ehemaligen drei Dörfern Kleinschechtelhausen mit Untereik (fälschlicherweise Horster-Schelsen genannt) sowie Groß- und Hinterschelsen (dem heutigen Dyker-Schelsen) der Ort Schelsen.

Über die Herkunft des Namens Schelsen gibt es verschiedene Theorien. Die wahrscheinlichste wird wohl sein, daß über den Namen Schechtelhausen = Schachtelhalm der heutige Name Schelsen gebildet wurde. Dieser Name ist seit 1772 amtlich erwähnt.

Der Name Schechtelhausen taucht urkundlich schon im Jahre 1166 auf; der Ort selber dürfte jedoch als Siedlungsstätte bis in die Römerzeit zurückreichen.

Über die wirtschaftliche Bedeutung Schelsens ist zu vermerken, daß unsere Vorfahren von Ackerbau, Viehzucht, Anbau und Verarbeitung des Flachses in Hauswebereien und vom Handel mit Sand und Produkten der Landwirtschaft lebten.

Eine Anmerkung zu den Sandbauern: In den alten Zeiten, wo Küchen und Stuben noch mit feinem weißen Sand, der in Liedberg gefördert wurde, auf gestampftem Lehmboden bestreut waren, belieferten Schelsener Sandbauern ihre Kunden. Der Sand wurde in kleinen Holzfässern abgemessen. War nun ein Käufer ncht auf der Hut, konnte es passieren, daß das Fäßchen kurz umgedreht und nur der Daubenrand gefüllt wurde. Es war damals schon wie heute auch noch - eine gewisse Schlitzohrigkeit ist den Schelsener nun mal zuzuschreiben!

Besonders festzuhalten ist, daß Schelsen im Jahre 1800 ein fast doppelt so hohes Steueraufkommen aufzuweisen hatte als Giesenkirchen. Demnach ist es nicht verwunderlich,daß sich zu jener Zeit Bürgermeisterei einschließlich Bürgermeister in Schelsen befanden. Ein amtliches Siegel von damals dokumentiert diese Tatsache.

Die alte Rivalität zwischen den Ortsteilen Dycker-Schelsen und Horster-Schelsen führte um 1820 dazu, daß man sich erst nach langen Auseinandersetzungen darauf einigte, eine neue Schule, die auch eine Arrestzelle erhalten sollte, auf der Grenze zwischen beiden Ortsteilen zu errichten. Dies geschah dann im Jahre 1822. Die Schulgeschichte war eine sehr wechselvolle - über einstmals zwei Schulen im Ort (katholische und evangelische Volksschule) trauert man seit der letzten großen Schulreform der mehrzügigen Schule in Schelsen nach.

Trotz der früher dominierenden Stellung Schelsens war eine Kirchengemeinde mit eigenem Gotteshaus in dieser Zeit nicht entstanden. Wie es dann doch zu einer Eigenständigkeit kam, darüber findet man unter der RubrikKirchengeschichte ausführliche Informationen.

So wechselhaft wie die Geschichte Schelsens war auch seine Zugehörigkeit in jenen Zeiten. Hier gab es wirtschaftliche, politische und religiöse Interessen, die sie bestimmte und prägte. Hierüber zu berichten, würde den Rahmen sprengen und eine eigene Chronik verlangen.

Aus der jüngsten Zeitgeschichte ist zu vermerken, daß Schelsen bis 1929 zu der damals selbständigen Gemeinde Giesenkirchen gehörte. Von 1929 bis 1933 war es in den Städtebund Gladbach-Rheydt eingefügt. Als Rheydt 1934 eine eigene Stadt wurde, gehörte man dieser bis 1974 an. 1975 wurden die beiden Städte Mönchengladbach und Rheydt wieder zusammengeführt, seither ist Schelsen Teil der Großstadt Mönchengladbach.

In allen Zeiten war und ist ein "Wir"-Geist in diesem Stadtteil spürbar. Ein Beispiel: Als vor einigen Jahren die Erweiterung des Kindergartens um eine dritte Stufe erforderlich wurde, dafür aber kein Geld vorhanden war, wurde die Durchführung und Realisierung nur dadurch möglich, weil viele am Ort ansässigen Vereine, Gruppen und Einzelpersonen spontan Hilfe jeglicher Art gewährten. Um diesen Geist wird Schelsen in der Region beneidet und nicht zuletzt deswegen als Wohnort von vielen Menschen, auch den sogenannten "Neubürgern", sehr geschätzt.

Die Gestaltung des Dorfplatzes und die behutsame Bebauung des Stadtteils runden das Bild von einer auch in dieser schnellebigen Zeit intakten Dorfgemeinschaft ab.
 

Schelsen, im Juni 1998

Herbert Esch