Grußwort des Präses


(Oberstudienrat Norbert Häusler, 1977, ist seit 1998 Mitglied der Bruderschaft und seit 2014 Präses)

 

Grußwort des Präses

 

 „Uut em Jedrisse vörr dr Herrjott!“

Liebe Freunde des Sommerbrauchtums, aber vielmehr liebe Christinnen und Christen und alle Menschen guten Willens,

während der Prüfungsvorbereitung zu meinem Ersten Staatsexamen durfte ich dankenswerterweise beim Fussballverein SV Schelsen als Gast mittrainieren. Dies war ein wertvoller Ausgleich zu meiner Büffelei, von der Abnahme der Kilos her als auch bezüglich des seelischen Ausgleichs. Bei einem Trainingstag hielt der damalige Trainer – ein Schelsener Jung – vor einem wichtigen Spiel eine flammende uns strategische Rede, wobei er einen Ausdruck benutzte, der in Schelsen weit verbreitet ist: Ihr müsst am Sonntag aus dem Jedrisse kommen. Ihr müsst aus dem Quark kommen – so könnte man es salopp übersetzen. Ihr müsst wach werden, damit ihr das Spiel gut über die Bühne bekommt. Unausgeschlafen und verkatert kann man kein Fußballspiel gewinnen.

Das, was für ein Fußballspiel gilt, gilt doch wohl für das übrige Leben und vor allem für das Glaubensleben um ein Vielfaches: Wenn ich das, was mir das Leben bringt verpenne, bin ich im Jedrisse geblieben. Wenn ich an meinem Lebenssinn vorbeilebe, bin ich im Jedrisse; wenn ich die Zeichen der Zeit nicht erkenne, wie schon gesagt: Im Jedrisse. Aber die Zeichen der Zeit zu erkennen ist eine der wesentlichen Aufgaben eines Christentums, welches sich dem Evangelium verpflichtet weiß. Das haben die Konzilsväter des 2. Vatikanischen Konzils in der wunderbaren und immer noch wegweisenden Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ trefflich dargelegt: Die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums deuten. Also nix Jedrisse sondern wach sein, ausgeschlafen sein im übertragenen Sinne! Erkennen, was im Leben los ist und wo man gebraucht wird.

Wach zu sein, bedeutet ein Leben gegen die Widrigkeiten zu leben, die uns ereilen können: Selbstsucht, Kreisen um sich selbst ist so eine Widrigkeit, die uns im Jedrisse lässt. Fehlende Freude am Mitmenschen, nur Halligalli und zu wenig Ernsthaftigkeit. Aber auch zu viel Kein Bock, Desinteresse und zu wenig Pack an und Opp Zack.

Liebe Leserinnen und Leser, wenn ich Gott finden will, der sich doch in allen Dingen dieser Welt uns zeigen will, muss ich wach und neugierig sein. Dann muss ich auf meinen Mitmenschen – gerade auf den, der in Not ist – zugehen. Papst Johannes Paul II. hat dies als Programm herausgegeben: Der Weg der Kirche ist der Mensch!

Die Schützenbruderschaft Schelsen als katholische Bruderschaft muss es sich immer wieder zur Aufgabe machen, ein Anti-Jedrisse Verein zu sein. Ein Verein, der gegen die Widrigkeiten des Lebens mutig, treu und heiter angeht und damit auf dem Weg ist, Gott zu finden. Ein Verein, der miteinander in Freude das kirchliche und dörfliche Leben positiv mitgestaltet. Ein Verein, wo einer des Anderen Last trägt (Gal 6,2) mit Pack An und Lust am Tun. Ein Verein, wo der Mensch der Weg ist.

In diesem Sinne wohlan, liebe Bruderschaftler und alle Menschen guten Willens: Raus aus dem Jedrisse und zwar vörr dr Herrjott!

Das empfiehlt euch und Ihnen Präses

Norbert Häusler.